Die Gaula – der klassische Lachsfluss

Eingetragen bei: Berichte, Lachs | 2

Es ist frisch am Morgen. Wolken hängen tief über dem Tailout des Pools. Ein leichter Nieselregen setzt ein und der Wind trägt etwas davon in die Hütte am Kroken, dem großartigen Gaula Pool. Um 6:30 Uhr ist es ruhig an diesem herausragenden Lachsfluss. Kein Fisch hat sich während des ersten Durchgangs durch den Pool gezeigt oder meine Fliege genommen. Im Juni auf Lachse an der Gaula zu fischen gleicht einem Wartespiel, da sich die Fische noch nicht wirklich in den Pools aufhalten, sondern in Bewegung sind. Einige der Fische schwimmen allein, manche bevorzugen es in kleinen Gruppen zu schwimmen. Dieses Jahr ziehen die Lachse schnell. Warmes und niedriges Wasser sind quasi wie eine Autobahn flussaufwärts. Nur in einigen wenigen Pools verlangsamen die Lachse ihre Reise. Der Kroken ist genau solch ein Pool und ich bin am warten…

Menno
Menno van Dam auf dem Weg an die Gaula

Plötzlich rollt ein Fisch in den felsigen Tailout des Pools. Um in den Kroken Pool zu gelangen, schwimmen die Fische aus dem Lillestrom Beat und müssen über eine längere Strecke richtig Gas geben. Das ist genau der Grund weswegen sich die Fische gerne im Tailout des Kroken nach dieser Anstrengung ausruhen. Die vielen großen Felsbrocken in der starken Strömung bieten hier ideale Möglichkeiten für Lachse um zu ruhen. Ich liebe es hier unten zu fischen. Es ist zwar nicht einfach zwischen den ganzen Felsen die Fliege sauber „swingen“ zu lassen und außerdem kommt es vor, dass man hier den einen oder anderen Fisch verliert. Vom Kroken aus können Sie in den Pool darunter, GFF’s Lillestrom, blicken. Dieser Pool liegt ein paar Meter tiefer als der Kroken und das Wasser schießt kraftvoll und tosend in den nächsten Pool. Genau dieser Anblick sorgt dafür, dass man beim Fischen und Waten genau aufpasst. Man macht sich Gedanken wie man hier einen Lachs so drillen soll, dass er auch im Pool bleibt.

Der Lachs zeigt sich ein zweites Mal und jetzt will ich es auf ihn versuchen. Ich versuche herauszufinden wo sein Standplatz ist, wohin ich werfen muss und wie schnell der Swing meiner Fliege sein darf. Fische ich den richtigen Scandinavian Shooting Head mit 42 Gramm? Ist die Sinkspitze Typ 2/3 mit 1,5 m 0,40 mm Fluorocarbon richtig? Ist meine Fliege eventuell zu groß? Oder vielleicht nicht schwer genug? Inmitten dieser Gedanken kommt der Biss. Ich kann gar nicht sagen wo genau der Biss erfolgte und wann meine Rolle anfing zu laufen. Auf alle Fälle zog der Lachs in der Mitte des Flusses langsam aber mit stetiger Kraft flussauf. Er zeigte keine Panik. Der Fisch bewegt sich unaufhaltsam in Richtung der heftigen Strömung.

Gaula

Die meisten Lachse haken sich selbst an der mit Swing gefischten Fliege. Dies geschieht indem er von seinem Ruheplatz zur Fliege aufsteigt, um die Fliege zu nehmen und anschließend zurück zu seinem Ruheplatz schwimmt. In der Bewegung hakt sich der Fisch an der geschwungenen Fliege von selbst. Es ist ganz einfach: entweder ist er sicher gehakt oder eben nicht. Nicht mehr und nicht weniger! In diesem Fall habe ich eine schwarze Tubenfliege mit einer gelben, orangenen Hechel und einer schwarzen Schwinge aus Fuchshaar am Ende des Vorfaches. Glitzer unbedingt sparsam verwenden! Ich benutze ein dunkles Muster, um den dunklen Wasserkonditionen gerecht zu werden. Der Regen der letzten Tage hat der Gaula eine teefarbene Färbung verliehen. Die gelbe/orangene Hechel passt perfekt und die dunkle Schwinge ist ideal bei trübem Wetter. Normalerweise ist der Fluss viel klarer und das Wasser ist in der Regel grün, gelblich gefärbt. Tubenfliegen wie der Green Highlander, Yellow/Grey und Silver/Grey Templedogs oder Green Helmets funktionieren an diesem Fluss hervorragend. Diese Fliegen sollten Sie in verschiedenen Größen und Gewichten dabei haben. Groß und schwer für kaltes Wasser und kleiner und leichter für Sommerbedingungen. Ebenso sollten Sie einige blue/black Templedogs für die Nachtfischerei und ebenso einige orangene Muster für ein Sommerhochwasser dabei haben. Versuchen Sie die Fliegenfarbe entsprechend der Wasserfarbe anzupassen!
Meine 15 Fuß SAGE Zweihandrute für eine 10er Schnur biegt sich nun tief bis zum Korkgriff. Ich versuche deutlich Druck auf den Lachs auszuüben. Wirklich viel bewirkt es nicht und der Fisch ist davon in keiner Weise beeindruckt. Er ist offensichtlich etwas sauer. Der Lachs schüttelt seinen Kopf und schwimmt mit unbändiger Kraft flussauf in das nächste noch tiefere Loch. Das Bremssystem der 6012er SAGE Rolle gibt mir ein sehr gutes Gefühl. Jede kurze und heftige Flucht und das wilde Kopfschütteln wird schön sanft abgefangen. Es gibt also keinen Grund zur Sorge. Es ist absolut wichtig sich auf sein Gerät verlassen zu können. Das gilt einerseits für das Drillen eines Fisches und andererseits auch für das Werfen. An der Gaula im Juni: ein großer Fluss mit viel Wasser. Große Fische veranlassen mich dazu mit der 15 Fuß Rute Klasse 10 und verschieden sinkenden Schussköpfen zu fischen. Je später es in der Saison ist, desto eher wechsle ich auf eine 14 Fuß Rute der Klasse 9 mit intermediate Schnur, Sinktip oder gar schwimmenden Schnüren. Und eines ist sicher: Sie brauchen unbedingt 200 Meter von 40 lbs Backing!

Menno an der Gaula

Nun wird der Drill spannend. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob ich diesen Fisch landen kann. Tief unten in dem schwarzen Wasser scheint der Fisch unter Kontrolle zu sein. Soll ich etwas mehr in den Fluss waten, oder soll ich vielleicht flussauf waten? Ich versuche einen anderen Winkel zum Fisch zu bekommen, der ihn zwingt wieder mehr selbst schwimmen zu müssen und ihn müde macht. Wie man an der Gaula watet ist extrem wichtig. In den meisten Pools sollte man es tunlichst vermeiden, tiefer als knietief in den Pools zu waten. Mehr oder weniger gilt das für alle Flüsse in Norwegen. Schlicht und einfach möchten Sie die Fische auf keinen Fall durch zu tiefes Waten verscheuchen oder aufschrecken. Waten Sie nur so tief wie es nötig ist, um einen guten Swing zu fischen und um nicht immer an den Felsen direkt am Rand hängen zu bleiben. Vorsichtiges und fast lautloses Waten ist sehr wichtig. Das ist genau der Grund weswegen ich Spikes an Watschuhen überhaupt nicht mag. Über viele Jahre habe ich immer nur Filzsohlen verwendet und war hochzufrieden. In dieser Saison habe ich erstmal die neuen Patagonia RockGrip Watschuhe mit Gummisohle getestet. Die Schuhe haben ihren Test sehr gut bestanden. Sie funktionieren im Fluss auf Steinen und sind angenehm und leicht außerhalb des Wassers. Mit meiner Rio Gallegos Wathose bin ich auch voll zufrieden. Es ist eine sehr robuste und bequeme Wathose. Die Wathose hält mich trocken und warm. Es ist ganz wichtig sich zu jeder Zeit sicher und rundum gut zu fühlen. Während des norwegischen Sommers kann den ganzen Tag über 24 h hinweg gefischt werden. Am sinnvollsten ist es hierbei sich mit verschiedenen Schichten zu kleiden, die im Bedarfsfall ausgezogen oder angezogen werden können. In der Mittagssonne reicht ein Sommershirt und am Abend zieht man einfach ein warmes R3 Fleece darüber. Sehr wichtig ist auch eine gute wind- und wasserdichte Watjacke. Gehen Sie immer gut vorbereitet ans Wasser! „Be ready!“
Nun setzt der Lachs zu einer langen Flucht flussaufwärts an. Er bewegt sich dabei nicht sonderlich schnell – mehr wie eine Schwerlastlokomotive. Ein sehr kraftvoller, stetiger Zug aus der Tiefe; das sollte man in keinem Fall auf die leichte Schulter nehmen. Ich warte immer noch darauf den Fisch das erste Mal zu sehen. Für die letzten 20 Minuten habe ich versucht Druck auf den Fisch zu bringen, um ihn aus der Balance zu bringen. Allerdings hat der Lachs nur seinen Kopf geschüttelt, sich über mich geärgert und ist ins nächste tiefe Loch geschwommen… plötzlich springt der Fisch! Es sieht aus als ob jemand eine große schwere Tonne ins Wasser geworfen hat! Der Fisch rast zum Ende des Pools direkt zum Tailout. Der Lachs ist stinksauer! Ich denke, der Haken sitzt gut! Während des Sprungs glaubte ich zu sehen wie die Tube an der Seite des Mauls hing. Bei den größeren Tuben verwende ich Drillinge der Hakengröße # 6. Bei den kleineren Tubenfligen verwende ich Drillinge der Größe # 8. Nur bei extrem großen Tuben verwende ich selten Drillinge der Größe # 4. Im Juni ist es fast immer # 6 mit 6-10cm langen Tubenfliegen.

Menno mit Lachs

Was ist da los? Ich beginne die Schnur sehr schnell einzuholen. Den Fisch spüre ich nicht mehr. Ist er noch dran und schwimmt flussaufwärts? Nein. Er ist verschwunden. Ruhe kehrt ein. Plötzlich merke ich den kalten Regen im Gesicht. Der Lachs ist weg. Er ist in die dunkle Tiefe der Gaula entkommen. Zurück bleibe ich mit meinen Gedanken und was ich bloß falsch gemacht habe. Die Fliege ist noch dran und der Haken ist auch in Ordnung. Nur der Fisch fehlt. Fragen über Fragen. Habe ich ihn zu hart gedrillt? Oder doch zu halbherzig? Hätte ich die Rute mehr seitlich bewegen sollen? Oder doch mehr mit einer aufrechten Rutenposition? Ich gehe zurück zur Fischerhütte am Kroken Pool und überlasse den Pool meinem Fischerfreund Albert. Er sagt nicht viel, geht flussaufwärts und beginnt mit der Fischerei. Gute Freunde wissen, wann Sie den Mund halten sollten…

Lachs
Menno mit einem wunderschönen Lachs

Ich zünde mir eine Zigarre an und der Rauch löst sich im leichten Regen schnell auf. Ich fühle mich glücklich, auch wenn ich den Lachs gerne gelandet hätte. Aber es werden andere kommen. Ich fühle mich hier zu Hause. Zu Hause an einem norwegischen Lachsfluss. Mir ist bewußt, dass beispielsweise auf der Kola-Halbinsel in Russland mehr Lachse gefangen werden. Wenn Sie sich an der mengenmäßigen Rekordjagd für Lachsfänge beteiligen wollen, dann sollten Sie nach Island fahren. Aber wenn Sie die wirklich klassische Lachsfischerei betreiben wollen, dann sollten Sie Norwegen vorziehen. Fischen Sie die Gaula oder die Orkla. Diese Flüsse sind für große Fische im Juni prädestiniert. Wenn Sie mehr Fische und wärmere Temperaturen mögen, dann empfehle ich Ihnen den Juli. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie vielleicht einen Fisch in 2-3 Tagen fangen – dieser kann allerdings über 10 kg schwer sein. Es kann so unglaublich schwer sein einen Lachs zu fangen, aber wenn es passiert, dann ist die Freude unglaublich groß. Ich liebe es die Gaula zu befischen, denn am Ende muss ich immer feststellen, dass der Fluss doch wieder schlauer war. Es gibt immer wieder eine neue Erkenntnis und man wird wohl niemals alle Geheimnisse dieses Flusses und seiner Lachse erfahren. Die Gaula ist rauh und wunderschön. Das sind genau die Gründe, weswegen ich seit vielen Jahren wiederkomme.

Menno am drill

Sie sollten unbedingt sehr gut vorbereitet zum Lachsfischen gehen. Stellen Sie sich auf viel Werfen und Waten ein. Auch körperlich sollten Sie für lange Tage und Nächte am Wasser fit sein. Seien Sie Herr über Ihre Ausrüstung. Achten Sie auf Ihre Bekleidungsschichten. Im Juni kann es passieren, dass Sie an einem Tag Sommer und Winter gleichzeitig erleben. Watjacke, Wathose und Watschuhe von guter Qualität sollten selbstverständlich sein. Bringen Sie unbedingt ausreichend Fliegen für die verschiedensten Wasserverhältnisse mit: grün/gelbe Fliegen für klares und normales Wasser, schwarz für die Nachtfischerei und orange für braunes Wasser – alle Fliegen sollten in verschiedenen Größen und Gewichten vorhanden sein. Ebenso sind verschiedene Schussköpfe mit unterschiedlichen Sinkraten zu empfehlen, um sich dem Fluss bestens anpassen zu können. Die Wassermenge kann montags 200 m³/sek sein und mittwochs können es 60 m³/sek sein. Eine Ersatzrute für den Notfall ist immer gut. Man weiß ja nie was passiert. Aber das Wichtigste ist: Buchen Sie Ihre Lachsreise! Buchen Sie einfach! Sie werden die wirklich klassische Lachsfischerei erfahren und erleben. Es ist eine Fischerei bei der Sie vielleicht mehr über sich erfahren, als über die Lachse.

Menno van Dam

Lachs

Menno

2 Antworten

  1. Sehr geehrte Herren
    Ihr Kommentar ist sehr zutreffend ! Ich kann das ein bisschen beurteilen da ich auch schon 14 Jahre an der Gaula auf Lachse fische und vor allem auch das Glück hatte Fische der Größenordnung zu fangen wie Sie erwähnten. Habe bisher immer in Steoren bei Herrn Raguse gefischt, glaube auch die Straße auf Ihren oberen Bildern zu kennen aber die Nahmen der Pools sagen mir nichts.
    Darf ich fragen bei wem Sie fischen?

    Mit freundlichem Gruß
    Franz Huss

    • Sehr geeehrte Herr Huss,

      Wir fischen bei Arne Flagestad Gaula Flyfishinig Friends. Fur zwei jahren hatte der Arne auch noch die pools Kroken und Lillestrom, die jetz durch Winsnes vermietet werden.

      Arne Flagestad (GFF) hat fur das kommende Saison 11 pools im rotation fischerei ( 6 stunden mit 2 Fischer auf ein pool, dann durch zum nachsten Pool). Alle Pools befinden sich stromauf von Storen in mitteler Gaula Tal.

Hinterlasse einen Kommentar