Bonefish & Co: Unterwegs mit dem „Seher“

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Beim Fischen an der Deutschen Traun habe ich Georg und Olaf kennen gelernt. Sie gaben mir den Spitznamen „der Seher“. Dieser Name ist keineswegs religiös bedingt, sondern einfach zu erklären: Für mich, ein am Fluss lebender Einheimischer, ist es wesentlich leichter so manchen Fisch zu erkennen, als für die beiden mit Ihren weniger geübten Augen.

Eines Tages rief mich Georg an: „Die Dienste des „Sehers“ anlässlich einer Reise auf die Bahamas wären erwünscht.“ So kam es, dass wir einige Monate nach diesem Anruf auf Eleutherea landeten. Die Insel und das Hotel hatten Georg und Olaf organisiert, ebenso den Leihwagen. Es war ein unendlich langer, zwanzig Jahre alter Cadillac. Das Auto wurde uns am Flughafen ohne weitere Formalitäten überlassen. Im Hotel erhielten wir bereitwillig Auskunft über die für das Fliegenfischen auf Bonefish geeigneten Plätze.

Nach dem reichhaltigen Frühstück begaben wir uns gleich zum ersten Platz, der uns empfohlen worden war. Gleich hinter der Müllhalde in der Nähe des Flugplatzes sollte ein guter Platz für Bonefish sein. Nachdem wir die übel riechende Müllhalde und die dort lebenden streunenden Hunde hinter uns gelassen hatten, tat sich eine lang gezogene Bucht mit feinem Sandstrand auf. Und tatsächlich konnte ich meinen Spitznamen unter Beweis stellen und drei Bonefishe ausmachen, die in Ufernähe gestrandetes Turtlegras nach Fressbarem förmlich durchwühlten. Georg wollte seine neue SAGE 890-4 Xi2 mit dem Fang dieses Fisches einweihen. Sein Crazy Charly landete in 15 Meter Entfernung perfekt und dank des langen Bonefish-Vorfaches unauffällig im Sichtbereich der Fische. Zwei, drei Strips und einer der Fische löste sich von der Gruppe, attackierte die Fliege, verfehlte diese aber. Georg tat das Richtige und setzte den Anhieb mit der Schnurhand, ohne die Rute zu heben. Die Fliege blieb dadurch im Sichtbereich des Fisches und bei der nächsten Attacke saß der Haken nach einem weiteren „Strip-Strike“ im Maul des Fisches. Die Bremse der Tibor Everglades war perfekt eingestellt, denn nach ca. 100 Metern wurde die Flucht des Bonefishes langsamer und nach einer kurzen zweiten Flucht konnte Georg überglücklich seinen ersten „Bone“ landen.

Ein prächtiger Bonefish
Ein prächtiger Bonefish

Governers Harbour: Georg und Olaf halten im Schatten Siesta, lassen aber mich der am Strand entlanggeht und seinen Blick nicht vom Wasser nimmt, nicht aus den Augen. Plötzlich sehe ich im Augenwinkel am Strand eine Bewegung. Ich kann es kaum glauben: Es ist ein großer Bonefish, der sich mit einer Welle an den Strand treiben lässt und sich auf diese Art eine gestrandete Garnele holt. Der Fang dieses Fisches ist ebenso ungewöhnlich wie die Art seiner Nahrungsaufnahme. Ich lege eine kleine Antron Crab 20 cm vom Ufer entfernt am Strand ab. Tatsächlich lässt sich der Bonefish mit der nächsten Welle über die Krabbe treiben und wird vom Anhieb derart überrascht, dass er kaum den Weg zurück ins Wasser findet. Meine SAGE 3400D schnurrt angenehm, als der Fisch mit hoher Geschwindigkeit das Weite sucht. Nach zwei weiteren Fluchten halte ich den Fisch in der Hand. Georg und Olaf haben Ihre Siesta natürlich abgebrochen und hoffen auf ein ähnliches Erlebnis.

Alice Town: Wir beschließen, uns den kleinen Naturhafen des Städtchens anzusehen. Wir entdecken aber nur einige kleine Barracudas, auf die sich kein Wurf lohnt. Ein letzter Blick am Mangrovenrand entlang und plötzlich ein silberner Blitz. Ein kleiner Tarpon – nein vier Babytarpons – schwimmen an den Mangroven entlang in unsere Richtung. Ich sprinte zu unserem Cadillac und hole die 10er Xi2, die dort mit Stahlvorfach und Barracudafliege einsatzbereit wartet. Wir steigen in ein kleines Ruderboot, das an der Hafenmauer befestigt ist, und erhalten so eine gute Wurfposition. Als die große Barracudafliege laut klatschend auf das Wasser fällt, zucke ich zusammen, denn ich fürchte, dass die Fische damit verjagt würden. Aber nein; das Klatschen hat die Fische aufmerksam gemacht und zwei Tarpons sprinten auf die Fliege zu. Blitzschnell nimmt der erste Fisch die Fliege: Der Anhieb ist nicht hart genug und die Fliege kommt in hohem Bogen auf uns zugeflogen, um hinter uns wieder im Wasser zu landen. Die Tarpons sind offensichtlich verrückt danach, gefangen zu werden, denn kaum ist die Fliege wieder im Wasser, wird diese von einem Babytarpon genommen. Diesmal sitzt der Anhieb, den ich mit der Schnur setze und der Fisch ist im nächsten Augenblick mit einem akrobatischen Sprung in der Luft. Ich drücke Georg die Rute in die Hand, um den Drill fortzusetzen und laufe nochmals zum Auto. Ich möchte die 8er Rute mit einem Tarponvorfach einsatzbereit machen. Georg hat den Fisch nach 15 Minuten am Ruderboot und wir borgen uns dieses aus, um die Mangroven abzufischen.
Wir sehen allerdings keinen Tarpon mehr und beschließen, die Stelle an einem anderen Tag nochmals aufzusuchen.

Bonefish
Bonefish

Ten Bay: Wir haben eine große Schule Bonefish entdeckt und befischen diese abwechselnd. Ich habe beobachtet, dass mehrere Barracudas, unter anderem ein wirklich großes Exemplar, ebenfalls die Schule flankieren. Im seichten Wasser des Sandstrandes watend überlege ich gerade, dass ich meine Patagonia Marlwalker eigentlich ausziehen könnte, um barfuss im weichen Sand zu gehen. Plötzlich sehe ich etwas Ungewöhnliches: Ein Bonefish, der im trockenen auf einer Sandbank liegt. Ich nähere mich dem Fisch und sehe, dass dieser lebt, aber eine frische Bissverletzung am Schwanz hat. Vermutlich hat er, einem Räuber zu entkommen, keinen anderen Weg mehr gefunden, als ans Ufer zu flüchten. Im Wasser stehend nehme ich den Bonefish in die Hand und will ihn gerade wieder ins Wasser setzen als ich rechts von mir einen dunklen Schatten sehe. Es ist der große Barracuda, der offensichtlich seine geflüchtete Beute von mir fordert. Ich setze den Bonefish ins Wasser und mache einige vorsichtige Schritte zurück in Richtung der Sandbank. Ich habe keine Lust, mit den, nur auf Rutenlänge entfernten, deutlich sichtbaren Zähnen des Raubfisches Bekanntschaft zu machen. Ich weiß zwar, dass diese Sorge nahezu unberechtigt ist – aber eben nur nahezu! Der Barracuda dreht seinen Kopf noch einmal in meine Richtung, schwimmt aber dann langsam wieder in Richtung der Bonefishschule. Ich habe ein etwas mulmiges Gefühl und beschließe, den Fischtag mit dem Verzehr einer Kokosnuss zu beenden.
Diesen Erlebnissen schließen sich noch weitere interessante Begegnungen mit exotischen Fischen an: In den sieben Fischtagen wurde zwar keine große Zahl an Fischen gefangen, aber dadurch, dass wir uns diese ohne Hilfe eines Guides erarbeiten mussten, zählte für uns jeder Fisch mindestens doppelt.

Autor: Alois Blaschke

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