Fliegenfischen im Salzwasser

Mexiko: Ascension Bay – das Paradies für den Einstieg in die Salzwasserfischerei

 

Manchmal passieren Dinge im Leben, die nicht vorhersehbar sind. So kam es, dass ich im Zuge einer Urlaubsreise auf die Halbinsel Yucatan die Möglichkeit bekam, die ersten Erfahrungen in Sachen Fliegenfischen im Salzwasser zu machen. Natürlich hatte ich meine Fliegenfischerausrüstung dabei, da ich mit dem Fischen auf eigene Faust morgens und abends am Strand geliebäugelt hatte. Aber dann kam es ganz anders…
Nach einigen sehr erholsamen Tagen am wunderschönen Strandabschnitt von Tulum, der mit „Cabana Hotels“ (Hütten Anlagen) nur so gesäumt ist, ging es mit einem Leihwagen von Tulum direkt nach Punta Allen. Punta Allen ist ein winziger Fischerort „am Ende der Welt“. Dort geht die Straße wirklich nicht mehr weiter und die unter Fliegenfischern sehr bekannte Ascencion Bay liegt direkt vor einem. Normalerweise benötigt man für die Strecke Tulum – Punta Allen auf einer holprigen Schotterstraße durch Küstendschungel, Sumpfgebiete und Strandabschnitte ca. 2,5 Stunden mit dem Auto. Aber aufgrund von tropischen Stürmen war die Schotterbahn so mitgenommen, dass die Fahrt über 4,5 Stunden dauerte. Die Straße bestand nur aus einer Aneinanderreihung von riesigen Schlag- und Wasserlöchern. Dadurch konnten große Teile der ca. 55 Kilometer langen Distanz nur im Schritttempo und mit großer Vorsicht gefahren werden. Voller Erwartung und Vorfreude ging es durch die Pforte des Sian Kaan Nationalparks, bis man schließlich nach langer und sehr aufreibender Fahrt in dem sehr kleinen und verschlafenen Fischerort Punta Allen ankommt. Kaum ein Tourist verirrt sich in diesen Ort. Überall spielen Kinder auf den Straßen und haben ein Lachen im Gesicht. Ab und an wird die Idylle durch 10-20 im Konvoi fahrenden Jeeps gestört. Die Einheimischen werden aus den Fahrzeugen von den Touristen mit Ihren Filmkameras gefilmt – ein seltsames Schauspiel.

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Auch in Punta Allen hatten wir es geschafft, in einer Hütte ,ca. 20 Fuß entfernt vom karibischen Meer, zu übernachten. Den Tipp hatten wir abends in einem Restaurant von einem Auswanderer-Pärchen in Tulum bekommen. Erfreulicherweise war das Thema Fliegenfischen schon auf der Fahrt nach Punta Allen präsent, da man mit dem Auto direkt an den bekannten Lodges wie Grand Slam oder Pesca Maya vorbei fuhr. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich jedoch noch nicht, was mich drei Tage später erwarten würde…
Die Vermieterin der kleinen, idylischen Strandhütte war sehr verwurzelt in Punta Allen. Sie kümmerte sich um die Dorfgemeinschaft und beim gemeinsamen Ortspaziergang merkte man, dass Sie im Ort ein hohes Ansehen hatte. Beim abendlichen Bier am Strand vor der Hütte fragte sie mich, ob das Fliegenruten seien, die ich dabei hatte. Dies bejahte ich sofort und danach war das Thema zum Leidwesen meiner Freundin nur noch Fliegenfischen. So kam auch noch „per Zufall“ ein bekannter Guide vorbei, der meine Fliegen inspizierte und mit mir Bonefish-Muster tauschte.

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An einem der nächsten Tage erwartete mich in meinem E-Mail Postfach eine Überraschung. Über einen Kontakt aus Europa habe ich einen Termin beim Manager der Grand Slam Fly Fishing Lodge bekommen, um zu klären, ob ich dort nicht 2-3 Tage mit einem Guide fischen gehen konnte. Nach Klärung der Kosten und Leistungen und nach kurzer Beratschlagung mit meiner Freundin war klar, dass ich am nächsten Tag meine Chance auf Bonefish bekommen sollte.
Die folgende Nacht verging viel zu langsam und war nahezu schlaflos. Leider merkte ich auch, dass während der Nacht ein heftiger Sturm aufzog und es anfing stark zu regnen. Am nächsten Morgen konnte ich es kaum glauben. Endlich war ich kurz davor meine ersten Erfahrungen im Salzwasser zu machen und was passierte? Es schüttete in Strömen. An eine Ausfahrt war nicht zu denken. So blieb uns nichts anderes übrig als einen zweiten Kaffee zu trinken und zu warten, dass der Regen weniger wurde. Nach ca. 1,5 Stunden lockerte die Bewölkung auf und der Guide meinte, dass wir es probieren könnten.

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Nach kurzer Zeit waren die Ruten und die Fotoausrüstung im Boot verstaut und es ging im strömenden Regen zum Fliegenfischen auf Bonefish. Trotz des Wetters war die Vorfreude riesig. Der Guide steuerte zielsicher windgeschützte Buchten an, wo er auf „tailing Bonefish“ hoffte. Der Guide, meine Freundin und ich suchten die Wasseroberfläche gespannt nach Flossen ab, die die Oberfläche durchbrechen. Nach einer ganzen Weile schien das Kommando vom Guide wie eine echte Befreiung. „50 feet, 11 o’clock“. Das war der Satz auf den ich so lange hingefiebert hatte. Nach kurzer Suche und Orientierung sah ich mehrere Bonefish auf ca. 15 Meter Entfernung. Vor lauter Übereifer versuchte ich einen Wurf gegen den Wind zu den Fischen zu bringen. Das „1 meter next to the head“ hörte ich zu spät und knallte meine Fliege dem ersten Bonefish direkt auf den Kopf. Innerhalb von Sekunden sah ich nur noch die Sandwolken im flachen Wasser. Über die verpatzte Chance konnte ich mich nicht lange ärgern, da schon die nächste Bonefish-Schule in das flache Wasser zog. Auch diese verscheuchte ich mit einem Wurf zu nah an den Fisch. Nach mehreren Präsentationen gelang es mir endlich die moderne Krabbenimitation korrekt zu präsentieren. Dann ertönte es vom Tower „strip and stop…strip and stop….strip strip strip…faster…..” und im gleichen Moment des letzten Strips setzte ich einen Strip Strike. Sofort merkte ich einen heftigen Widerstand und der Guide rief „high rod, high rod“….ich merke sofort, dass dies mein erster Bonefish sein sollte. Nach zwei, drei heftigen langen Fluchten konnte ich den Bonefish herandrillen und in meinen Händen halten. Gemessen an der Größe des Fisches war ich beeindruckt was er für einen Drill lieferte. Sofort löste ich den Haken und es wurde noch ein Foto geschossen. Überglücklich und vom Regen völlig durchnässt setzte ich den kleinen Bonefish sanft in sein Element zurück. Je weiter der Tag vorschritt, desto mehr lockerte die Bewölkung auf und die Sonne ließ sich blicken. Die Fischerei bei Sonnenschein war dann noch um ein Vielfaches spannender, da es eine reine Sichtfischerei auf die Bonefish war. Von Fisch zu Fisch lernte man dazu und die Präsentationen wurden immer besser. Ich entwickelte schnell ein Gefühl dafür wo die Fliege präsentiert werden musste. Dennoch erwischte ich mich immer wieder dabei wie ich anstatt des Strip Strikes die Rute zu früh zum Anhieb nach oben riss. In allen diesen Fällen war der Fisch der Gewinner und der Haken konnte nicht gesetzt werden. Am Ende des Tages fuhren wir überglücklich und todmüde zurück zur komfortablen Unterkunft und freuten uns auf einen Cocktail am Strand. Der Regen, die Sonne, der Wind und das Meer machen einen richtig müde, wenn man es nicht gewohnt ist.

Zum Glück folgte noch ein zweiter Fischtag mit Guide und Boot. An diesem Tag ging es quer über die Ascension Bay an Cayo Culebra vorbei, mitten in ein riesiges, einsames Flat-Gebiet. Die Sonne schien mit voller Kraft vom Himmel und es war ein Tag, der schöner nicht sein konnte. Große Bonefish-Schulen waren auf den verschiedensten Flats zu finden. Die Fischerei war ein sagenhaftes Erlebnis und es war ideal, um erste Kenntnisse in Sachen Fliegenfischen im Salzwasser zu sammeln. Sowohl die Präsentation, als auch der Strip Strike konnte perfekt geübt werden, da eine große Menge an Fisch vorhanden war. Am Ende des zweiten Tages starteten wir aufgrund der Zufriedenheit noch einen Versuch auf Permit. Man könnte es auch als waghalsig oder unvernünftig bezeichnen, aber wenn man zahlreiche Bonefish gelandet hat, dann wollte ich unbedingt noch etwas Anderes probieren. Allerdings waren hier die Bedingungen mehr als schlecht. Der Guide konnte vereinzelt Permits in einer Entfernung von über 120 feet sichten. Ich war beeindruckt, wie schnell diese Fische ziehen. An diesem Tag war es chancenlos einen dieser Spezies anzuwerfen.
Insgesamt waren die zwei Tage Salzwasserfischerei ein wunderschönes Erlebnis, welches jeder Fliegenfischer einmal erlebt haben sollte. Die Einsamkeit der Natur, die Vogelwelt und die Unterwasserwelt wie Schildkröten, Delfine, Haie, Krebse, Rochen, Barrakudas und vieles mehr war einfach nur beeindruckend. Die Kenntnisse des Guides der Grand Slam Fishing Lodge war unglaublich gut und er versuchte wirklich hart einen „Rookie“ wie mich an den Fisch zu bringen. Seinen Job hat der Guide vorbildlich erfüllt.

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Empfohlende Bonefish Ausrüstung:

– 7er Fliegenrute (SAGE X FliegenruteSAGE SALT HD oder REDINGTON PREDATOR II)
– Fliegenrolle mit einer starken und gegen Salzwasser unempfindlichen Bremse
z.B. SPECTRUM LT oder SPECTRUM MAX Fliegenrolle mit RIO Bonefish Fliegenschnur # 7
200 yds Super Backing
RIO Bonefish Vorfach
Fliegen: Shrimpmuster, Crazy Charlie, Clouser Minnow, Kwan Dorsey

Kontakt zum Fliegenfischen & Unterkunft:
Grand Slam Fly Fishing Lodge, Punta Allen, Mexico
https://www.grandslamflyfishinglodge.com/

Unterkunft in Punta Allen:
https://www.shardon.com/

 

Bericht & Bilder: Ralf Raacke

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