Fliegenfischen mit der Maifliege

Es ist Mai und eine sehr faszinierende Fischerei steht unmittelbar bevor, denn jedes Jahr von Mitte Mai bis Mitte Juni  gibt es für kurze Zeit die Chance, an verschiedensten Flüssen Europas mit großen Eintagsfliegenmustern  sogenannten „Maifliegen“ zu fischen. Die Wiesent in der fränkischen Schweiz ist wohl der berühmteste „Maifliegenfluss“ mit einer sehr langen Tradition. Aber auch an der Blau, Mangfall, Alz, Sinn, am Chiemsee und sehr vielen anderen Wiesenbächen und Kreideflüssen ist eine tolle Fischerei mit der Maifliege möglich!
Die Fischerei kann einerseits atemberaubend und  spektakulär, aber andererseits auch nervenzerreißend und extrem herausfordernd sein. 

Erzählungen über die Maifliegenfischerei zaubern vielen Fliegenfischern ein Funkeln in die Augen. Es kommen einem Geschichten zu Ohren, die fast nicht möglich zu sein scheinen.  Darin sind meist große, schwierig zu fangende Bachforellen die Hauptdarsteller. Im späten Frühjahr besteht die seltene Chance,  einen Traumfisch an der Oberfläche mit einer großen Maifliegenimitation zu fangen!

Massenschlupf von Ephemera Danica
Massenschlupf von Ephemera Danica

 

Eine Maifliege hat auf der Fliegenrolle Platz genommen
Eine Maifliege hat auf der Fliegenrolle Platz genommen

Durch die oft sehr großen Maifliegenschlüpfe werden selbst große und ältere Fische unvorsichtig und gierig. Die auf der Oberfläche schwimmenden „Happen“ lassen sich diese Fische nur ungern entgehen und vergessen allzu gern dabei ihre natürliche Vorsichtigkeit.

 

Meine ersten Erfahrungen mit der Maifliegenfischerei habe ich als Student in der fränkischen Schweiz an der berühmten Wiesent gemacht.  Verschiedenste Muster habe ich selbst gebunden und einiges an Geld wurde in Bindematerial und Tageskarten „investiert“. Die Erlebnisse schwankten von Sternstunden bis zu totaler Verzweiflung. In der Tat dauerte es eine Weile, um heraus zu bekommen, dass die Maifliegenfischerei nach ganz bestimmten zeitlichen Rhythmen abläuft. Bei meinen ersten Besuchen meinte ich: „Jawohl – ich fische den ganzen Tag durch, um möglichst viel zu fangen“. Allerdings stellte sich heraus, dass das die völlig falsche Strategie war.  Viel besser war es, den Tagesablauf auf die Aktivität der Bachforellen auszurichten. Siehe da! Die Fangerfolge nahmen deutlich zu und der ganze Tag war viel entspannter!

Maifliege
Frisch geschlüpft…

Morgenstund hat Gold im Mund
Die ersten Stunden des Tages sind gleich eine sehr gute Zeit für die Fischerei mit Maifliegen. Ein Blick auf die Wasseroberfläche in Randbereichen oder Kehrwassern verrät: Am Abend des Vortages sind viele Insekten unterwegs gewesen. Nach Häutungen, Begattungsflügen und nach der Eiablage schwimmen nun eine Menge toter „Spents“ (mit weit ausgebreiteten Flügeln) auf der Wasseroberfläche. Genau auf solche toten Insekten haben es die Forellen in den Stunden des ersten Tageslichtes abgesehen. Nun gilt es, sich sehr vorsichtig am Wasser zu bewegen und nach fressenden Fischen zu suchen. Teilweise schwimmen große Bachforellen von Kehrwasser zu Kehrwasser, um die dicken Happen genüsslich einzusammeln. Problem dabei ist, dass die Kehrwasser meist sehr ruhig sind und die Fische sehr viel Zeit haben, sich die Imitation genau anzusehen. Das Muster muss passen und das Vorfach sollte lang und dünn sein! Oft haben Sie nur einen einzigen Wurf! Hier hat sich das Traun River Shockabsorbing Vorfach bestens bewährt. Doch Vorsicht ist beim Drill geboten: Die Vorfachspitze ist mit 0,14mm sehr dünn und es sollte behutsam gedrillt werden. 
Sobald die Sonne am Himmel empor steigt, wird die Fischerei meist deutlich schlechter. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Zeit bis zum späten Nachmittag durchaus mit Freunden, Familie, Kindern…. im Biergarten oder am Baggersee verbracht werden kann. In der Mittagssonne ist oft wenig Aktivität am Wasser festzustellen.

Prachtvoll zum Abheben bereit.
Prachtvoll zum Abheben bereit.
Auch Enten mögen die saftigen Happen.
Auch Enten mögen die saftigen Happen.

 

Am Abend  geht es rund!
Meist bin ich dann am späten Nachmittag wieder ans Wasser gefahren. Hier sah man schnell, dass jetzt die wirklich gute Zeit gekommen war. An den Parkplätzen standen die Autos mit deutlichen Fliegenfischermerkmalen wie z.B. Rutenrohre, Fliegenaufkleber etc. Meist hatten die Autos nun einheimische Kennzeichen. Interessanterweise saßen die meisten Fischer am Gewässerrand und schienen regelrecht auf etwas zu warten. Am Anfang hat mich das verwundert und ich habe munter drauf los gefischt, wobei ich oft belächelt wurde. Schnell wurde mir klar: Die Fischerei macht momentan wenig Sinn. Je weiter sich der Tag dem Ende zuneigte, desto unruhiger wurden die wartenden Fischer.  Jeder sicherte sich seinen Platz, indem er sich am Ufer seiner Lieblingsstelle ins Ufergras setzte und wartete. Irgendwann kam dann der entscheidende Moment: Hier eine große Maifliege, dort eine große Maifliege. Die Fischer standen aus dem Ufergras auf und bereiteten Ihr Gerät vor. Wie von Geisterhand nahmen die Insekten von einem auf den nächsten Moment deutlich zu. Unmittelbar folgte hier und dort ein Ring an der Wasseroberfläche. Das Erlebnis des Maifliegenschlupfes war bald in vollem Gange. Die Zahl der schlüpfenden großen Eintagsfliegen wurde immer mehr  und die Fische wurden immer gieriger. Die auftauchenden Insekten brachten die Bachforellen zu wahrer Höchstform. Allerdings bedeutete das bei Weitem nicht, dass man diese Fische auch fängt! Es gilt ,die vorhandene Zeit gut zu nutzen; denn genauso schnell wie der Schlupf beginnt, ist das Schauspiel auch wieder vorbei! Es ist, als ob jemand einen Schalter umlegen würde – einfach beeindruckend. Des Weiteren sollten die Präsentation und die Fliegenmuster  passen, da die Fische auch im Fluss durch die oft charakteristische langsame Strömung viel Zeit haben, die Fliege zu nehmen. Die Fische sind  mit viel Fleiß am Bindetisch und am Wasser zu erarbeiten.  Mittlerweile habe ich die Maifliegenfischerei auch in Schweden erlebt und auch dort gelten die gleichen Regeln! Gleicher Rhythmus! Allerdings variieren die Fliegenmuster etwas. In Deutschland und Schweden war ich meist mit  Gruppenmustern erfolgreich. Einige sehr gute Gruppenmuster finden Sie unterhalb des Artikels. 

Bachforelle
Große Bachforelle auf Maifliege gefangen

Geräteempfehlung
Aufgrund der Beschaffenheit der meisten Maifliegenflüsse ist eine Fliegenrute mit der Schnurklasse 4 oder 5 und einer Länge von 275 cm (9 Fuß) zu empfehlen. Damit sind saubere Präsentationen sehr gut möglich und der Fischer kann auch gut über den Uferbewuchs hinwegwerfen, wenn er am Ufer steht. Wichtig ist eine passende Rolle mit einer sanft anlaufenden Bremse, um die Fluchten abzufedern. Als Schnur eignet sich eine Standard-Trockenschnur der entsprechenden Schnurklasse. Hier  sind die Schnüre RIO Gold oder RIO Trout LT  zu empfehlen. Bei dem Vorfach sollten Sie auf die ausreichende Länge achten. Hier hat sich für mich persönlich das Dry Fly Shockabsorbing bewährt, da es Kopfstöße eines großen Fisches gut abfedert. 

Nun brauchen Sie nur noch ein  passendes Fliegenmuster und schon können Sie fischen gehen!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und viel Petri Heil bei Ihrer Maifliegenpirsch!
Schicken Sie uns Bilder von Ihren Erfolgen! Gerne veröffentlichen wir diese hier auf unserer Webseite!

Text: Ralf Raacke
Fotos: Michael Schallinger & Ralf Raacke

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